Ise – die heilige Shinto-Stätte

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Ise – die heilige Shinto-Stätte

Ise 伊勢

Nach über 12 Jahren und 9 Japanreisen hat es endlich geklappt – einer meiner noch nicht erfüllten Reisewünsche im Land der aufgehenden Sonne ist endlich Wirklichkeit geworden. Ise ist für die Japaner eine Art Pilgerfahrt. Denn im dortigen Schrein wird Amaterasu verehrt – die Sonnengöttin.

Kleine Einführung in die japanische Mythologie

Bis zum heutigen Tag ist die japanische Schöpfungsgeschichte mit Land und Leuten fest verknüpft, allen voran der Tenno, der japanische Kaiser. Denn dieser stammt direkt von den japanischen Göttern ab.

Es waren also einmal Isanami (weiblich) und Isanagi (männlich). Diese standen auf der Himmelsbrücke und ließen von ihrem Pinsel Tinte auf das Meer darunter tropfen. Aus diesen Tintentropfen entstanden die japanischen Inseln. Da diese Inseln den beiden Göttern so gefielen, verließen sie das Himmelsreich und ließen sich in Japan nieder. Isanagi gebar daraufhin 3 Kinder, als er sich das Gesicht wusch. Aus dem linken Auge Amaterasu, aus dem rechten Auge Tsukuyomi und aus der Nase Susannoo. Es ist zwar nicht das Gleiche, aber man kann es doch etwas mit der griechischen Mythologie vergleichen, wo z.B. Athene die Kopfgeburt des Zeus ist.

Zwischen dem ersten Kaiser und den soeben genannten Göttern sind noch viele andere Göttergenerationen dazwischen. Detaillierte Infos finden sich im 古事記こじき – Kojiki, ein Geschichtsbuch über Japan mit Verknüpfung von mythischen Geschichten und echten Fakten. Der Einfachheit halber fasse ich das ganze wie folgt auf: Um seine Berechtigung als japanischer Herrscher zu festigen und zu begründen, musste ein überzeugender Hintergrund samt Abstammung her – und wer will schon einem Gott bzw. jemandem, der von den Göttern abstammt, sein Herrscher-Anrecht streitig machen? … Um ehrlich zu sein, gab es da doch einige (Stichwort Oda Nobunaga, Toyotomi Hideyoshi, Tokugawa Ieyasu und Konsorten)

Wie kommst du nach Ise

Von Kawagoe 川越 fuhren wir mit der Tobu-Tojousen 東武東上線nach Ikebukuro 池袋, von dort mit der Yamanote-Line 山手線nach Shinagawa 品川. Dort ist die nächste Einstiegsstelle für den Shinkansen 新幹線 (du kannst auch im Bahnhof Tokyo 東京einsteigen). Mit dem Shinkansen geht es dann bis nach Nagoya 名古屋, von wo wir mit der Kintetsu-Linie 近鉄線 bis nach Ise Stadt 伊勢市 gefahren sind. Auch die JR-Linie ist eine Möglichkeit. Generell sind die Linien der Kintetsu etwas billiger als die JR-Linien. Zum Reisevorbereitungskurs Japan klicke hier.

(c) Manuela Ito-Loidl

Geku 外宮

Zuerst besichtigten wir den äußeren 外 Teil der zwei Ise-Schreine. Hier wird vor allem die Gottheit Toyo-Uke no omikami verehrt. Sie ist „zuständig“ für Kleidung, dass man ein Dach über dem Kopf hat und damit man nicht Hunger leiden muss. Leider kann man als normaler Tourist nicht bis in das Innere des Allerheiligsten hinein. Du musst dich mit dem äußersten Gebäude zufrieden geben. Dort kannst du eine Münze in den Opferstock werfen, klatschen und beten (bzw. deinen Wunsch an die Gotte stellen). Mich haben die Wärter ganz genau im Auge behalten – erstens als Ausländer und zweitens mit einer doch etwas größeren Kamera – damit ich ja kein Foto in dem Bereich mache, wo es nicht erlaubt ist. Dies würde ich dir auch ans Herz legen, wenn es entweder auf Englisch (do not take pictures) oder auf Japanisch geschrieben steht: 写真撮影禁止 (schashin satsuee kinschi). Meist gibt es auch ein Foto-machen-verboten-Bild (siehe weiter unten)

Das Besondere an diesem Schrein ist, dass er alle 20 Jahre neu errichtet wird. Das letzte Mal war 2013. Ein Grund für dieses regelmäßige Erneuern ist, dass die Technik und das Wissen nicht verloren gehen. Nicht nur die Holzkonstruktion, auch alles andere wie Stoffe usw. wird selbst hergestellt – ohne moderne Maschinerie. Interessant ist auch das angrenzende Museum, das u.a. die einzelnen Schritte für die Neuerrichtung zeigt.

(c) Manuela Ito-Loidl
die typische Baustruktur der Ise-Schreine

(c) Manuela Ito-Loidl weiter als bis hierher darf man nicht fotografieren und weiter als bis hinter das Tor darf man als „Normalo“ nicht

(c) Manuela Ito-Loidl vor dem Betreten des Schrein-Geländes: Händewaschen!

Naiku 内宮

Um den inneren 内 Teil des Ise-Jingu zu erreichen, geht es über eine große Brücke. Genauso wie im äußeren Schrein dürfen vom Hauptteil keine Fotos gemacht werden. Seit 2000 Jahren wird hier Amaterasu-oomikami (ihr vollständiger Name) verehrt, nachdem der heilige Spiegel (eines der 3 wichtigsten japanischen Schätze neben dem Dolch und dem Juwel – wenn du Sailormoon gesehen hast, kommen dir die drei bekannt vor: Uranus – Dolch, Neptun – Spiegel und Pluto – Juwel). Insgesamt befinden sich auf dem Gelände, das fast so groß wie Paris ist, 125 Schreine, in denen jährlich mehr als 1500 Rituale abgehalten werden (u.a. für das Wohlergehen der japanischen Kaiserfamilie – Amaterasu ist ganz besonders mit dem japanischen Kaiserhaus verbunden).

(c) Manuela Ito-Loidl ein Lagerhaus vor dem Hauptgebäude, ebenfalls wieder die typische Bauweise

(c) Manuela Ito-Loidl – ab hier keine Fotos!

Auf beiden Arealen, besonders im Nai-ku, hatte ich ein sehr überwältigendes und wehmütiges Gefühl; würde ich an Themen wie Wiedergeburt glauben, hätte ich gesagt, dass ich in einem meiner früheren Leben eine Miko (japanische Schrein-Priesterin) war 🙂

Souvenirkauf

Ise ist, was Souvenirs betrifft, sehr gut ausgestattet. Gleich nach dem Naiku gibt es eine ganze Straße lang links und rechts Geschäfte und Restaurants, die die Spezialitäten von Ise und Umgebung anpreisen. Zwischendurch war auch eine Taiko-Vorführung

Dies sind:

Ise-Udon – besonders dicke Nudeln in einer mit Miso gewürzten Soße. Diese Variante ist noch mit Onsen-Tamago (Heiße-Quellen-Ei)

(c) Manuela Ito-Loidl Ise-Udon

Ise-Ebi 伊勢海老– besonders große Garnele, die an Lobster erinnern, aber ohne Scheren. Gibt es als Korokke (Kroketten), Senbei (Reiscracker), frittiert, roh usw.

(c) Manuela Ito-Loidl Auswahl eines der Lokale (rechts unten Ise-Ebi)

Matsusaka Gyu松阪牛: eine der berühmten 3 japanischen Rindersorten, die besonders fettreich und wohlschmeckend sind. Auch hier gibt es verschiedenste Zubereitungsarten: gegrillt, in Curry, gedünstet, ja sogar als Sushi.

(c) Manuela Ito-Loidl Aka-Fuku, das rote Glück

Aka Fuku 赤福: Mochi umhüllt mit roter Bohnenpaste – überraschend leichter Geschmack – gut kauen.

Und noch viele verschiedene andere lokale Spezialitäten, die die Souvenirshops füllen.

Übernachtung in Ise und Umgebung

旅館 Ryokan – Kameya (in Toba). Ein familiengeführtes, kleines traditionelles Gästehaus mit sehr netten Gastgebern – und dem gewissen Schmäh/Humor. Unser お兄さん Onii-san hatte sehr viel Spaß mit meinem Sohn – er arbeitet mittlerweile schon 10 Jahre hier. Onii-san heißt eigentlich älterer Bruder, wird aber auch für Herren jüngeren Alters verwendet. Nicht verwechseln mit Oni 鬼 (Dämon, Monster, meist etwas dümmlich). Wir waren vorher noch eine Nacht in einem sehr eleganten japanischen Hotel, wo alles sehr schön war, aber die Herzlichkeit war im Kameya viel größer und wir haben uns sehr wohl gefühlt. So, wie man es aus Szenen in Animes kennt.

(c) Manuela Ito-Loidl Unser Onii-San

Aquarium

Viele japanische Fisch- und Meerestierarten aber auch die üblichen Dinge wie Delfine, Seelöwen und auch ungewöhnliches Getier. Wunderbar mit kleinen Kindern für zwischendurch. Viele Souvenirs und Purikura (Foto-Kabinen, wo man sich verschiedene Hintergründe aussuchen kann und dann die Fotos mit Schriften und Symbolen verschönern kann. Das Endprodukt wird dann ausgedruckt bzw. per Email verschickt).

(c) Manuela Ito-Loidl ウニ Uni – Seeigel

(c) Manuela Ito-Loidl Ika イカ くコ:彡Tintenfisch

Meer

Da die Sommersaison bereits vorbei war, hatten wir den kleinen Sandstrand fast für uns alleine – eine Woche vorher soll hier noch die Sau los gewesen sein. Die Wassertemperatur war angenehm warm und der Strand sauber. Japanische Strände sind aber nicht mit Hotelstränden wie in Griechenland und Spanien zu vergleichen. Gesäubert wird hier von den Anrainern.

(c) Manuela Ito-Loidl Sonnenaufgang beim Meer

Die Ama-san

Die Ama-san 海女さん (erstes Kanji = Meer, zweites Kanji = Frau) sind Taucherinnen, die ohne moderne Ausrüstung 海の幸 Umi no Sachi – Segen/Produkte des Meeres heraustauchen (鮑 Awabi – Seeohr、ウニ Uni – Seeigel, usw.).

Die weiße Kleidung der Ama-san soll sie vor Hai-Angriffen schützen, da sie unter Wasser dadurch größer aussehen. Außerdem ist die weiße Farbe auch eine Bitte an die Götter, sie zu beschützen und ihnen einen reichen Fang zu bescheren. Das Motto der Ama-san ist: Schnelligkeit und das richtige Gefühl. Erfahrene Ama-san haben bei jedem Tauchgang eine Erfolgsquote von 100 %, dies wird durch jahrelange Erfahrung antrainiert. Das Geschäft ist Familiensache – die Frauen verdienen das Geld, die Männer bringen die Frauen mit ihren kleinen Schiffen zu den Tauchplätzen. Die Töchter lernen von den Müttern oder von Ama-san in der Umgebung, wenn sie die Tradition weiterführen möchten.

Viele Ama-san gibt es nicht mehr, einige finden sich in Toba 鳥羽 (mit dem Zug eine knappe halbe Stunde entfernt von Ise), da, wo die Mikimoto-Perleninsel ist. Herr Mikimoto war der erste, der Perlen kultiviert hat. Ich war direkt vor Ort und habe die Perleninsel samt Museum besucht. Die Meerestiefe beträgt hier 6 Meter. Das Ama-Tauch-Event war sehr bewegend für mich. Die Dame rechts im Video hatte ihr „Debüt“ Ende Juni – mit 19 Jahren.

Mikimoto-Insel

Die Perlen selbst, wie sie hergestellt werden, von der Farbe und Güte über die Muscheln und deren Aufzucht, alle diese Infos findest du direkt im Perlen-Museum. Ein Museums-Shop mit viel schönem Schmuck gemacht aus Mikimoto-Perlen ist natürlich auch dabei.

(c) Manuela Ito-Loidl 4 verschiedene Farben von Perlen

(c) Manuela Ito-Loidl nur ein verschwindend geringer Anteil der Perlen ist von der Qualität her verkaufbar – und nur ca. die Hälfte der Muscheln überlebt

Was sich diesmal leider nicht ausgegangen ist: der Ninja-Vergnügungspark und meoto-iwa 夫婦岩 (die zwei Felsen, die mit einem Seil verbunden sind).

Mein Fazit:

Ise und Umgebung sind auf jeden Fall einen Besuch wert!

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2017-09-02T02:32:35+00:00

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