japanische Kultur – subtile Unterschiede

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japanische Kultur – subtile Unterschiede

Die japanische Kultur von einer anderen Seite betrachtet

Je länger du in Japan lebst, desto mehr kleine Details werden dir auffallen – manche Dinge siehst du erst, wenn du wieder zurück in dein Heimatland kommst. Und manches wirst du sogar bei uns finden.

Die Schuhe

Einer meiner Hass-Punkte: du hast es sicher schon in einer japanischen Serie/in einem Anime gesehen. Das Schuhe Anziehen der Japaner. Sie machen sich nicht die Mühe, die Schnürsenkel auf und zu zu machen, sondern schlüpfen rein und stupsen dann mit dem vorderen Teil des Schuhs gegen den Boden, um ganz reinzuschlüpfen. Dementsprechend sehen die Schuhe auch aus – vorne dreckig und abgestumpft. Bis auf die der Salary-Men – die müssen ja immer schön schwarz und glänzend sein. Wahrscheinlich kümmert sich die Ehefrau darum.

Aber das ist nicht das einzige Kuriosum der japanischen Schuh-Kultur. Noch viel bekannter ist, dass man sich in Japan tunlichst die Schuhe vor Betreten der Wohnung ausziehen muss. Komme, was wolle. Bei uns zieht man sich normalerweise auch die Schuhe aus. Außer, man hat etwas vergessen – etwa das Handy – und rennt noch mal schnell rein, um es zu holen. Das traue ich mich aber nur, wenn mein Mann nicht dabei ist 😀

In Japan ist das unmöglich – du würdest den Schmutz von der Straße mit reinbringen – und das wäre sehr unhöflich. Das gilt auch für Notfälle. Notärzte z.B. ziehen sich vor Betreten des Hauses im dafür vorgesehenen Bereich 玄関(げんかん, genkan) die Schuhe aus. Dafür warten schon andere Schlappen, mit denen du dann durch die Holzböden schlurfen darfst. Auch in Arztpraxen gibt es sehr oft ein Hausschuh-System. Sie haben eigene Reinigungsautomaten, wo du die „gebrauchten“ Schuhe hineingibst. Dort werden sie desinfiziert und warten auf den nächsten Patienten.

Vorsicht, lieber gaijin 外人 (Ausländer), die größte Hürde steht dir aber noch bevor: wenn du auf die Toilette gehst. Dort wartet nämlich noch ein Paar Klopschlappen auf dich. Und die sind exklusiv nur für das stille Örtchen. Auf keinen Fall damit im restlichen Wohnbereich herumlaufen – du würdest sonst die Klo-Bakterien in der ganzen Wohnung verbreiten.

Je nachdem, wie extrem die Bewohner darauf achten, gibt es auch noch eigene Schuhe für den Gartenbereich. Nix da mit Straßenschuhen in den Garten gehen – auch da könntest du Schmutz und Bakterien 黴菌(ばいきん, baikin) verschleppen.

Das Baden

Auch dieser Punkt unterscheidet sich grundlegend von unserer Badekultur. Baden ist zum Entspannen da – nicht zur Körperpflege. Denn die ist der Badewanne zeitlich vorgelagert: zuerst duschen, dann ab in die Wanne. Traditionellerweise wird zuerst einmal geduscht und der Schmutz abgewaschen, dann in der Wanne 湯船(ゆぶね, yubune, heißes Wasser-Schiff) relaxed, um dann noch einmal zu duschen und sich dabei die Haare zu waschen. Als Abschluss geht es dann nochmal in die Wanne.

@Manuela Ito-Loidl: Das Bad bei den Schwiegerelten

Baden gemeinsam mit den Kindern ist ganz normal – dies übernimmt oft der Vater. Mein Schwiegervater ist besonders stolz darauf, dass er meinem Mann und seiner Schwester in der Badewanne Englisch beigebracht hat – er ist der Meinung, dass mein Mann sonst sicher nicht so gut Englisch können würde, wie er es tut.

Früher gab es noch viel mehr öffentliche Bäder, die sogenannten Sentou (銭湯, せんとう). Sen ist übrigens eine alte Untereinheit von Yen (1 Yen = 100 Sen), das zweite Kanji steht für heißes Wasser. Die Kanjikombination deutet wohl darauf hin, dass man in früherer Zeit wohl mit einer gewissen Anzahl an Münzen Zutritt zum Bad bekam.

Jetzt gibt es nicht mehr so viele dieser Sentou – da jedes Haus/Wohnung ein eigenes Badezimmer hat. Je nach Variante gibt es sogar welche, die vollautomatisch funktionieren. Ein Knopfdruck genügt und das Wasser füllt sich in der gewünschten Temperatur von selbst und ein Signalton verkündet, dass das Bad bereit ist. Japanische Badezimmer sind schon super – außer die sogenannten Unit-Bath-Einheiten, die so klein sind, dass man sich fast nicht umdrehen kann. Meist findet man sie in den Ein-Zimmer-Wohnungen oder in günstigen Businesshotels.

Sauna ist in Japan übrigens eher unbekannt, obwohl es im früheren Japan eine Art Dampfbad gab.

Das Schnäuzen

Der nächste Punkt ist wohl mein absoluter Hass-Punkt 😀 Kranksein ist niemals etwas Schönes. Schnupfen auch nicht, aber zumindest gibt es bei uns qualitativ Taschentücher. In Japan nicht – da gibt es höchstens Kleenex-millimeter-dünne Tüchlein. Die bekommst du aber auch sehr oft gratis ausgeteilt – mit einem Werbe-Flyer zusammen. Da brauchst du zumindest 3 Stück, damit du dich ohne Angst, dass der Rotz auf der anderen Seite wieder rauskommt, reinschnäuzen kannst.

Wenn die Japaner sich auch wirklich schnäuzen würden. Denn eigentlich macht man in Japan ganz was anderes: man zieht den Rotz die Nase hinauf. Warum? Weil es verpönt ist, sich in der Öffentlichkeit lautstark die Nase zu putzen. Was für uns selbstverständlich ist, ist für Japaner ekelhaft. Und umgekehrt!

Was du in Japan besonders oft siehst, sind Gesichtsmasken. Diese dienen dazu, die anderen nicht anzustecken. Und auch sich selbst vor Krankenheiten zu schützen. Stell dir nur vor, wie es ist, wenn du Schnupfen hast und eine solche Maske trägst. Was passiert, wenn du niesen musst. Was passiert mit dem Rotz? Lieber nicht vorstellen.

Die Größe von Obst und Gemüse 果物と野菜の大きさ (kudamono to yasai no ookisa)

Riesige Karotten und Äpfel – klitzekleine Auberginen/Melanzani. Manche Obstsorten haben ganz andere Größen. Das musst du auch beachten, wenn du nach einem japanischen Rezept kochst. 1 japanische Karotte sind 2 oder 3 Stück bei uns. Auch der Fuji-Apfel ist viel größer als unsere normalen Äpfel.

Damit der Apfelbaum genug Kraft hat, um so große Äpfel hervorzubringen, werden nur wenige Äpfel am Baum gelassen. Deshalb ist der Preis auch dementsprechend hoch, ein Apfel umgerechnet bis zu 5 Euro. Obst ist teilweise ein Prestige-Produkt und wird zu den japanischen Geschenke-Zeiten gerne als Präsent übergeben. Äpfel werden in Japan übrigens vor dem Verzehr geschält.

Dagegen ist Petersilie kleinblättriger und auch Gurken sind eher klein. Bananen kommen meist von den Philippinen und sind ebenfalls kleiner als bei uns. Besonders interessant sind japanische Weintrauben. Sie sind ziemlich groß und eine dicke Schale, die man vor dem Verzehr entfernt. Der Geschmack ist sehr gut, aber ganz anders als unsere Trauben. Auch japanische Pfirsiche haben einen sehr intensiven und köstlichen Geschmack.

Weitere interessante Details zur japanischen Kultur gibt’s im nächsten Blogpost 🙂 oder hier

 

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2017-07-23T06:47:46+00:00

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