Warum muss ich Kanji lernen?

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Warum muss ich Kanji lernen?

@Tirza Podzeit

(c) Tirza Podzeit

Diese Frage bekomme ich immer wieder von unseren Kursteilnehmern zu hören – und auch ich habe mir die Frage schon des öfteren gestellt 😀

Dazu lass dir zuerst mal Folgendes durch den Kopf gehen:

Kanji – in der japanischen Sprache können wir nicht ohne sie – aber manchmal auch nicht mit ihnen. Auch in Japan wurde schon überlegt, ob man Kanji nicht einfach abschaffen könnte. NOCH sind sie da (und das wahrscheinlich noch länger). Und ganz ehrlich – was wäre die japanische Sprache ohne diese kompliziert aussehenden Kanji? Nur ein Haufen Wörter, nicht all zu schwierige Grammatik und eine am Anfang unverständliche Höflichkeitssprache. Weg wäre der Charm, eine Sprache mit Geheimcode-Möglichkeit zu lernen. Was würde mit der Kalligrafie passieren – was würde aus den Schildern, den Büchern? Sich auf Hiragana und Katakana beschränken? Was ist mit den Leuten, die schon die ganze Zeit fleißig Kanji gelernt haben? 笑 (das japanische Äquivalent zu unserem „lach“ oder lol“ – das Kanji für Lachen – schaut eh so richtig nach einem verschmitztem Lächeln aus – fast zwinkert es dir zu)

Spaß beiseite – überlegen wir zuerst einmal, warum es (noch immer) Kanji gibt. Es geht um folgende Punkte:

  • Es existieren viele Wörter, die die gleiche Aussprache haben. Meist geht es da um die On (an das Chinesische angelehnte) Lesung. Aber auch einige Kun (traditionelle japanische) Lesungen. Zum Beispiel Hana – 鼻 die Nase oder 花 die Blume. Oder Hashi – 箸 die Stäbchen 橋 die Brücke 端 die Kante. Jetzt wird der fortgeschrittene Lerner gleich aufschreien und sagen – aber die werden ja nicht komplett gleich ausgesprochen von der Intonation her. Ja, stimmt, ob ich haSHI oder HAshi sage, also ob ich von oben nach unten gehe von der Stimme oder umgekehrt. Nur: ist es in Tokyo genau umgekehrt wie in Osaka. Und seien wir uns ehrlich – eigentlich sollte es eh aus dem Kontext klar sein, dass ich z.B. mit den Stäbchen esse und nicht mit der Brücke.

Nur nicht immer. はしですしをたべます。Könnte heißen: ich esse Sushi mit Stäbchen . Oder aber auch: ich esse Sushi auf der Brücke (Partikel „de“ hat mehrere Verwendungsmöglichkeiten). Eventuell sitze ich auch auf der Kante während ich mein Sushi genieße…Und genau solche Wortspiele kommen in Animes/Mangas, aber auch in traditionellen alten Geschichten und Märchen vor.

Daigoji Temple in Autumn, Kyoto, JapanIn einem unserer Lesebücher, die wir je nach Sprachlevel verwenden,  erfahren wir vom schlauen Mönch 一休さん , Ikkyuu-san, der eines Tages an eine Brücke kommt, wo draufsteht: はしをわたらないでください。Bitte „Hashi“ nicht überqueren. Der gewiefte Mönch weiß, dass ihn jemand nicht über die Brücke gehen lassen möchte, bzw. ihm ein Rätsel stellt. Dieser Jemand hofft, dass Ikkyu nicht schlau genug ist, das Rätsel zu lösen. Entschlossen geht Ikkyuu über die Brücke. Natürlich wartet der Rätselsteller schon und fragt unseren Mönch entgeistert „Hast du denn das Schild nicht gelesen?“ Ikkyuu’s Antwort: „Doch, schon, ich bin eh nicht über die Kante gegangen, sondern in der Mitte der Brücke.“ Die Lacher waren natürlich auf Ikkyuu’s Seite.

2016-09-07 14.06.12

Zeitungsausschnitt der Nikkei vom 12.04.2014

Zweitens verwendet man in der japanischen Sprache keine Leerzeichen. Ohne Kanji wäre es schwierig, zu sehen, wo ein Wort aufhört und wo das nächste beginnt, besonders für Leute, die die japanische Sprache gerade lernen. Natürlich könnte man einfach Leerzeichen reingeben. Aber die Problematik von Punkt 1 wäre immer noch die Gleiche. Die japanische Schrift ist effizient, mehr Leerzeichen würde die Sprache weniger kompakt machen. Und schließlich sind die Kanji schon vereinfacht worden (z.B. nach einer Schriftreform, auferlegt von den USA nach dem 2. Weltkrieg).

 

  • 2016-09-07 13.57.02Drittens haben Kanji auch eine grammatikalische Bedeutung – und zwar stellen sie bei Wörtern immer den unveränderlichen Teil dar, während die Hiragana die Wortteile ausdrücken, die veränderlich sind. Z.B. bei dem Wort 行きます, ikimasu 行 (Lesung i) ist der Verbstamm, きます kimasu die veränderbare Verbendung. Die Verbendung könnte ja auch く、った、かない、なかった、なければなりません usw. sein. Stichwort agglutinierende Sprache (glue = kleben – es werden Teile aneinander angeklebt).

So – ich hoffe, du hast jetzt etwas mehr „Verständnis“ für die Kanji (bzw. ihre Existenz) und du kannst dich mit ihnen besser anfreunden. Ich drück dir die Daumen, dass bei dir dadurch die Motivation steigt, diese Zeichen Schritt für Schritt zu lernen.

 

 

Denk dran: auch die Japaner lernen nicht alle 2136 Kanji auf einmal (soviel schreibt das Bildungsministerium vor bzw. braucht man diese Anzahl, um eine japanische Zeitung lesen zu können) – sondern durch die Pflichtschulzeit (= 9 Jahre) aufgeteilt. Step by step!

 

Wie aber kann ich jetzt wirklich gscheit Kanji lernen?

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2016-10-21T14:31:11+00:00

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