Wie ich Vokabeln gelernt habe und es noch immer mache

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Wie ich Vokabeln gelernt habe und es noch immer mache

Wie soll ich lernen, damit ich mir die Japanisch-Vokabeln merke?

Egal, ob du Japanisch-Anfänger bist oder schon länger Japanisch lernst, wahrscheinlich hast du dir diese Frage schon des öfteren gestellt.

Meist kommt diese Frage gepaart mit einem der folgenden Sätze:

  • Ich merk sie mir einfach nicht oder vergesse sie wieder sehr schnell.
  • Schön wäre es, wenn ich mir die Vokabeln über Nacht einfach so merken könnte.
  • Wenn ich doch nur Japaner wäre, dann könnte ich schon diese ganzen Vokabeln.
  • Und für alle ganz gestressten unter uns: Ich hab einfach keine Zeit zum Vokabel-Lernen.

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Unter diesen Vokabel-Lern-Problemen habe ich auch lange Zeit gelitten. Ich sags dir ehrlich, ich hasse Auswendiglernen und Vokabel-Pauken mit Listen oder Programmen. Nach einem bestimmten Rhythmus wird wieder das gleiche Wort abfragt – da sagt mein Hirn, wie langweilig, interessiert mich nicht, mag nicht mehr…

Hättest du da nicht gerne eine Lösung auf Knopfdruck?

Ich muss dir sagen, leider ist mir noch keine Möglichkeit untergekommen, dir die Vokabeln (und Kanji) von jetzt auf gleich ins Hirn zu drücken.  Was aber sehr gut funktioniert:

 

Setze dich mit jedem neuen Vokabel so intensiv wie möglich auseinander

Wie das geht? Das zeige ich dir in den nächsten Absätzen.

Du wirst es wahrscheinlich in deiner bisherigen Lernkarriere schon mitbekommen haben. Wenn dich etwas nicht interessiert, wenn etwas unverständlich erklärt wird oder fad ist – dann sagt dein Gehirn – was mach ich hier überhaupt?

Wäre es nicht viel schöner, wenn ich jetzt [setz hier deine Lieblingsbeschäftigung ein, z.B. das neue Zelda-Spiel zocken] könnte?

Und schon ist die eventuell anfängliche Motivation dahin, wenn es darum geht, sich eine Liste an Vokabeln in deine grauen Zellen reinzuprügeln. Vielleicht ist gleich das erste Vokabel ein ziemlich unnütz Erscheinendes. Oder du hast keine Ahnung, wie du das Vokabel anwenden sollst oder in welcher Situation. Oder es ist einfach zu lang oder zu schwierig.

Kurz: Du kannst einfach nichts mit dem neuen Wort anfangen. Und genau das ist das Problem.

Du hast aktuell mit dem Wort noch überhaupt nichts am Hut. Und das musst du ändern, schnell.

Hab das neue Wort lieb,

baue eine Beziehung zu ihm auf – auch wenn sich das jetzt blöd anhört. Schließlich ist es mit Menschen genau das gleiche. Wenn du dich für die Person neben dir interessierst, dann wirst du dich auch mehr um sie bemühen und mehr über sie herausfinden wollen.

Damals in Japan in meinem Japanisch-Unterricht gab’s viel Grammatik, viele Wörter, viele Kanji. Jeden Tag, von Montag bis Samstag, 4 Stunden pro Tag, mindestens. Danach noch 2-3 Stunden Hausaufgaben und die Japaner um mich herum. Viel Input, doch was ist wirklich hängen geblieben? Das, was ich auch aktiv angewendet habe. Und das war Alltägliches. Sobald das Gesprächsthema anspruchsvoller wurde, bin ich ausgestiegen – nicht nur von der Grammatik sondern auch von den Vokabeln und Redewendungen her. Also versuchte ich es mit der Taktik, die mir auch damals beim Englischlernen geholfen hatte. Bücher auf Japanisch lesen.

(c) Manuela Ito-Loidl

Lord of the Rings auf Japanisch

Auch wenn mir Lord of the Rings auf Englisch relativ leicht von der Hand ging – ich kannte ja schon den Inhalt auf Deutsch – so einfach war es leider nicht mit Japanisch. Kanji ohne Lesung, altertümliche Wörter, keine Übersetzung im elektronischen Wörterbuch zu finden… Durch bisher unbekannte Grammatik verstand ich nicht einmal den Satz, obwohl ich alle Wörter kannte. Wohl oder übel musste ich das Buch zur Seite legen. Es war einfach für meinen damaligen Wissensstand noch unmöglich, das Buch so zu lesen, ohne dass ich verzweifelte. Da war ich ungefähr auf N3 Level.

Ich stieg auf Manga um. Da war zumindest die Grammatik nicht ganz so schwierig. Und auch hier fing ich abermals an, zu stocken. Kanji, wo die Lesung so winzig drübergeschrieben stand, dass ich erst recht wieder das Kanji zuerst finden musste, bevor ich die Bedeutung herausfinden konnte.  Es war ein langer Weg. Geholfen hat mir auch, dass ich die Wörter hingeschrieben habe auf ein Blatt Papier. Und: die Wörter wiederholten sich alle paar Seiten und wanderten schön langsam in mein Langzeitgedächtnis. Und nicht nur die Wörter – sondern auch, wie die Wörter verwendet werden und mit welchen anderen Wörtern sie gerne in Kombination auftauchen. Auch, in welcher Situation sie vorkommen und ob sie eher von Männern oder Frauen verwendet werden.

(c) Manuela Ito-Loidl

Inzwischen hatte ich auch schon mehr Grammatik gelernt. Auch wenn ich viel zu Hause geübt habe und brav meine Hausaufgaben gemacht habe, war für mich der Japanischunterricht unerlässlich. Die Erklärungen im Japanisch-Kurs in Kombination mit – ich muss regelmäßig was machen – haben mich Stück für Stück relativ rasch vorangebracht.

Dann stieg ich auf sogenannte Light Novels um. Ohne Bilder, aber dafür sehr viel Alltagsszenen und nicht nur Dialoge. Zwischendurch ein paar Fanfictions meiner Lieblings-Serien. Genau so, wie ich es bei Englisch gemacht hatte. Inkl. der Videospiele auf Japanisch – da hatte ich mich bei meinen Reisen nach Japan gut eingedeckt.

Der einzige, wenn auch große Unterschied im Vergleich zum Englischlernen war: ich brauchte gefühlt ein viel höheres Sprach-Niveau, um in halbwegs akzeptablen Tempo ein Buch zu lesen.

Und ich hasse es, langsam zu lesen. Meine Mutter sagte immer, ich „fresse“ Bücher. Ohne mein gewohntes Lese-Tempo war es schlichtweg eine Qual. Und das wollte ich ändern – das war auch einer meiner Hauptmotivatoren, nicht aufzugeben.

Kinderbücher – die Lösung?

Besonders als Anfänger ist es praktisch unmöglich, „normale“ japanische Bücher zu lesen, nicht einmal Kinderbücher funktionieren. Die Grammatik dort ist noch nicht für Anfänger geeignet und die meisten Wörter stehen in Hiragana – alles in einer langen Wurst. Und die paar Kanji, die vorkommen, sind ohne Lesung.

Als ich dann schon Japanisch unterrichtete, fand ich eines Tages in einem Buchladen in Ikebukuro (nordwestlicher Stadtteil in Tokyo) etwas, das ich sehr gerne in meinem Unterricht einbaue.

Japanese Graded readers nennt sich das Ganze. Bücher für Nicht-Japaner, die Japanisch lernen. Kurze Geschichten, die aber in normalem Japanisch geschrieben sind.

japanisches Kinderbuch

Am Anfang sind es zwar immer viele neue Vokabeln, die auf dich zukommen, aber es sind eben nicht nur Vokabeln, sondern ganze Sätze, eine ganze Geschichte. In natürlichem Japanisch geschrieben.

Für jeden Level (Anfänger bis Mittelstufe) etwas dabei. Wenn du diese Büchlein alleine liest, musst du dir halt noch die Vokabeln raussuchen. Im Kurs gehen wir die Vokabeln gemeinsam durch und ich erkläre dir die Grammatik, die noch nicht vorgekommen ist, anhand der Beispielsätze.

Diese Lesegeschichten sind immer besonders gefragt. Sie decken Vokabel, Grammatik und Kanji ab – 3 Fliegen auf einen Streich sozusagen.

Deshalb wird es diese auch bald als online-Kurse geben.

Die Kanji auseinanderklauben

Nebenbei hilft es auch sehr, sich die Kanji der neuen Vokabeln anzusehen. Und besonders auch die Teile davon. Mehr zum Kanjilernen hier. Oder schau dir dieses Youtube Video an.

Googlen

Woher weißt du, wie das Wort denn nun verwendet wird? Am einfachsten ist es, wenn du einen Satz hast mit dem Wort. Wenn nicht, dann google einfach danach. Google spuckt dann Seiten aus, wo das Wort vorkommt – meist ist das ein Satz, ein Text, eine Geschichte. Oder versuche die Android-App Akebi (oder für I-Phone: imiwa) – es hat für die meisten Wörter/Kanji auch Beispielsätze. Mit seiner praktischen Nachschlagefunktion kannst du auch die einzelnen Wörter im Beispielsatz suchen.

(c) Manuela Ito-Loidl

Ableiten der Bedeutung durch eine Geschichte

Viele Wörter, gerade als Anfänger, habe ich mir gemerkt, weil ich sie schon irgendwo in einem Anime gehört hatte. Oder weil es japanische Namen waren.

Eine Schülerin hatte Schwierigkeiten mit dem Wort „usui“ 薄い (dünn, aber nur für Gegenstände, nicht für dünne Menschen). Sie war Fan der Animeserie „Kaichou ha Maid-sama“ und der männliche Protagonist hieß Usui-kun. Einfacher geht’s nicht.

Gibt es Wörter, die du dir wegen Animes/Mangas einfacher gemerkt hast?

Japanischlernen ist anstrengend – aber mit Spaß und interessanten Infos ist dein Gehirn dabei

Wir im Japanisch-Kurs haben meist einen ziemlichen Spaß. Weil ich z.B. ein Männchen auf die Tafel gezeichnet habe, dessen Proportionen überhaupt nicht passen. Oder ich ein Kanji mit einer Geschichte erkläre, die die Schüler so lustig finden, dass sie sie einfach nicht vergessen können.

Vielleicht, weil die Geschichte empört (was macht die Frau im Zeichen für billig) oder weil sie schon gar nichts mehr mit der Bedeutung zu tun hat (das Zeichen für „neu“ 新 hat links oben das Zeichen für „stehen“立 und darunter „Baum“ 木, rechts etwas, das wie eine Axt aussieht 斤 – eine neue Variante, einen Baum zu fällen ist, dass man auf ihm drauf steht), oder für uns Deutschsprachige komisch klingt (das Zeichen für blau wurde/wird auch für grüne Dinge verwendet).

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2017-06-30T16:25:26+00:00

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