Kanji lernen – geht das überhaupt?

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Kanji lernen – geht das überhaupt?

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(c) Tirza Podzeit

Du hast dir Hiragana und Katakana erkämpft und nun steht die nächste Hürde an: Kanji lernen. Wahrscheinlich kannst du schon das ein oder andere Kanji. Vielleicht denkst du dir: es gibt aber so viele Kanji – wie kann ich die nur in meinen Kopf reinbekommen und vor allem – wie bleiben sie da drin?

Wege zum Kanji-Lernen gibt es da viele. Und der richtige Weg für dich hängt natürlich davon ab, wie du lernst. In den nächsten Absätzen bekommst du ein paar wichtige Lerntipps, die wir auch in unseren Kursen umsetzen. Inkl. Videolink (siehe unten)

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(c) 小学生の新レインボー漢字辞典

Fang einfach mal an, ein paar Kanji zu lernen – am besten mit der richtigen Strichfolge (die manchmal etwas unlogisch erscheinende Strichfolge ist nicht dazu da, uns Ausländer zu ärgern und uns das Lernen zu erschweren). Und natürlich nicht gleich die kompliziertesten Kanji. Ein Guter Anfang sind z.B. die Zahlen. Die meisten Kanjilehrwerke haben eine ähnliche Anordnung. Oder nimm dir die japanischen Schüler als Vorbild: die lernen z.B. am Anfang, also im ersten Jahr der Grundschule diese 83 Kanji (siehe rechtes Bild).

  1. Grundsätzlich ist die Strichfolge genau so wie bei Hiragana/Katakana: von links nach rechts und von oben nach unten. Also gerade Striche nie von rechts nach links und vertikale Striche nie von unten nach oben.
  2. Merk dir aber nicht gleich alle Lesungen (mehr zu den Lesungen im nächsten Punkt), sondern nur die, die dir schon irgendwo beim Lernen untergekommen sind – den Rest würdest du wahrscheinlich schnell wieder vergessen. Anwendung ist die wichtigste Regel, egal ob Schreiben oder Sprechen!
  3. Hier die grundsätzliche Regel, ob du die kun-Lesung (traditionelle japanische Lesung) oder die on-Lesung (an die chinesische Aussprache angelehnte Lesung) brauchst: Besteht ein Wort aus einem Kanji -> kun-Lesung, besteht ein Wort aus mehreren Kanji bzw. Teilen -> on-Lesung. Aber vorsicht, es gibt auch Ausnahmen. Deshalb ist es besser, sich Wörter und nicht unbedingt Lesungen zu merken.
  4. Lerne Kanji also nicht getrennt – lerne sie immer im Zusammenhang. Also genau so, als ob du Vokabeln lernen würdest.
  5. Lerne die Kanji auch zu schreiben, das hilft beim passiven Lernen (= lesen)
  6. Finde dich damit ab, dass du besonders das Schreiben der Kanji leicht wieder vergessen wirst (Stichwort Anwendung). Aber so geht es auch den Japanern – nur haben die halt mehr Anwendung als wir.
  7. Wenn du die ersten 60-100 Kanji gelernt hast, beginne, dir die einzelnen Radikale anzusehen – Radikal kommt vom lateinischen Wort für Wurzel. Kanji haben Radikale (=Teile), die links, rechts, oben, unten, rundum usw. sind. Und die meisten (= fast alle) haben auch eine Bedeutung in sich. Natürlich kannst du gleich zu Beginn mit den Radikalen starten – nur ist dann alles Neuland für dich und es dauert, bis du die ersten Kanji auch wirklich zuordnen und verwenden kannst. Schnelle erste Erfolgserlebnisse sind wichtig – damit geht die Motivation nicht so leicht flöten. Hier ein Beitrag zum Wasser-Radikal und hier noch einer zum Regen-Radikal. Ich erkläre in meinen Kursen ab dem ersten Kanji die einzelnen Bestandteile. Es ist dann fast wie eine Geschichte – und meistens sehr lustig.
  8. Zum Kanjilernen im Allgemeinen und zum Erlernen der Radikale im Speziellen gibt es diverse Bücher – versuch mal „Basic Kanji Book“ oder „Let’s learn Kanji„, eines meiner ersten Bücher, die ich mir damals zum Kanjilernen gekauft habe. Alternativ auch diverse Apps, z.B. die gratis Wörterbuch App Akebi (für Android Handys). Mit ihr kannst du natürlich Kanji suchen, dir die richtige Strichfolge ansehen – aber auch die einzelnen Teile eines Kanji anschauen und nachsehen, was diese bedeuten. Ähnlich ist auch die App Imiwa für iOS.
  9. Office DeskWas machst du, wenn du auf ein neues Kanji triffst, wo du weder Lesung noch Bedeutung weißt? Verwende ein elektronisches Wörterbuch oder eine der vielen gratis Apps (z.B. Akebi), wo eine handschriftliche Erkennung möglich ist – einfach reinzeichnen. Eine etwas elegantere Variante, die schneller geht: Such nach den Radikalen. Dazu brauchst du aber schon etwas Erfahrung und musst wissen, wie man Kanji bzw. die Radikale richtig zählt. Dabei hilft dir die richtige Strichfolge. Also sehr empfehlenswert, dir diese von Anfang an richtig zu merken!
  10. Bei Kanji, die du dir nicht merken kannst, überleg dir eine Geschichte oder sonst etwas – je lustiger und ausgefallener – desto besser für dein Hirnkastl. Nach meiner Erfahrung ist es aber nicht ratsam, sich von vorn herein für jedes Kanji eine Geschichte einfallen zu lassen. Sonst musst du immer zuerst über die Geschichte drüber, bevor du zum Kanji kommst. Willst du trotzdem für jedes Kanji eine Geschichte, so gibt es auch für diesen Weg einige Bücher. Auch ich erzähle gerne den Kursteilnehmern Geschichten und Hintergrundinfos zu jedem Kanji. Denn je mehr man sich mit einem Zeichen beschäftigt, desto einfacher bleibt es im Gedächtnis. Aberwitzige Merkhilfen gibt es auch hier.
  11. Lies! Natürlich japanische Bücher – am besten KEINE Kinderbücher. Die haben erstens eher wenige Kanji, dafür alles in Hiragana, und zweitens von der Grammatik und Vokabel her nicht unbedingt für Anfänger empfehlenswert. Wir haben in unseren Kursen da immer passende Geschichten für jedes Niveau, auch für wirkliche Anfänger.
  12. Und lies etwas, das dich interessiert – es bringt nichts, sich durch den Wirtschaftsteil einer japanischen Zeitung zu plagen, wenn du auch den Wirtschaftsteil auf Deutsch nicht liest. Wie wärs z.B. mit Lord of the Rings auf Japanisch? Oder japanische Fashion-Magazine. Oder: Hiragana Times – ein monatlich erscheinendes Magazin mit Texten in verschiedenen Schwierigkeitsstufen. So bist du auch gleich up to date, was grad so in Japan los ist. Und vielleicht ist ja doch mal der ein oder andere interessante 経済(けいざい, Wirtschaft) Artikel für dich dabei 🙂
  13. Teste dich – mit einem Kanjitest, mit einer japanischen Quiz-Sendung (ja, Kanji-Quiz ist im japanischen Fernsehen der Renner, so wie bei uns Wer wird Millionär bzw. die Millionenshow).
  14. Und, ich kann es nicht oft genug wiederholen: Anwendung (lesen, schreiben etc.) – mir muss ein Kanji mindestens 3 Mal unterkommen, bis ich es mir gscheit merke 🙂
  15. Um dein Ziel, alle Kanji zu schnappen, äh dir zu merken, zu erreichen, nimm dir mal die ersten 60-100 Kanji vor. Schön langsam bekommst du ein Gespür für Kanji und ihre Teile.

    Dann bis du ca. 400-500 Kanji intus hast. Jetzt hast du die wichtigsten Kanji für den Alltag gemeistert!

    Nächstes Ziel: die 1000er Grenze knacken. Damit bist du auf dem Level eines Mittelstufen-Schülers (in den 6 Jahren der Grundschule werden ca. 1000 Kanji durchgenommen).

    Die restlichen Kanji gehen dann eigentlich „nebenbei“. Beim normalen Lesen, wenn dir ein neues Kanji unterkommt und du es nachschlägst. Gratuliere – dann bist du ein Kanjimeister.

漢字(かんじ)と仲良(なかよ)くしてくださいね。Sei freundlich zu Kanji 🙂 dann sind sie es auch zu dir. 約束(やくそく)だよ – ich verspreche es.

Zum Schluss wie versprochen der Link zum Kanji-Video.

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Mehr Tipps zum Japanischlernen hier.

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2017-07-29T21:27:15+00:00

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